Die Fußballlüge?
22.10.2008 von Andre.
Ohne nun jeden Text aus der Presse hier einstellen zu wollen, finde ich diesen jedoch so interessant, dass ich ihn hier zur Diskussion stellen möchte:
Oktober 2007
Dr. Roland Loy im Interview
Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Herr Dr. Loy, Sie haben in den vergangenen 20 Jahren rund 3000 Fußballspiele analysiert. Wenn Sie vor dem Fernseher oder im Stadion sitzen, können Sie den Wissenschaftler in sich ausschalten und einfach nur ein schönes Spiel genießen?
Aber selbstverständlich! Seit meiner Kindheit bin ich der allergrößte Fußballfan. Ich hatte eben das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können.
3000 Partien in statistisch erfassbare Einheiten zu zerlegen – klingt nach harter Arbeit. Welche Erkenntnis haben Sie dabei gewonnen?
Vor allem die, dass wir Lichtjahre davon entfernt sind zu verstehen, wie der Fußball funktioniert. Und es trennen uns sogar ganze Galaxien davon zu wissen, wie Erfolg im Fußball zustande kommt.
Aber Herr Dr. Loy, ganze Heerscharen von Trainern, Managern und anderen Experten zerbrechen sich tagtäglich den Kopf darüber, wie Fußball funktioniert und erklären uns die Ursachen für Sieg oder Niederlage. Und Sie behaupten, dass dies alles Humbug ist?
Tatsache ist, dass da jede Menge Halb- und Unwahrheiten über Trainer- und Spielergenerationen hinweg unreflektiert verbreitet werden – ohne dass diese Aussagen jemals ernsthaft geprüft worden sind. Während hierzulande bestimmte Industriezweige ein Vermögen in die Forschung investieren, um sich dadurch Wettbewerbsvorteile zu sichern, basiert das Milliardengeschäft Fußball weitgehend auf reinen Vermutungen und teilweise gravierenden Fehlannahmen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Die Behauptung, dass diejenige Mannschaft gewinnt, die mehr Zweikämpfe für sich entscheidet, ist schlichtweg falsch. Ich habe mehr als 100.000 Eins-gegen-eins-Situationen untersucht und festgestellt, dass nur etwa 40 Prozent aller Spiele von den zweikampfstärkeren Mannschaften gewonnen werden.
Soll man Zweikämpfe einstellen?
Nein, ich will nur vermeiden, dass sich solche Spekulationen als Lehrmeinung fortpflanzen. Ich wünsche mir eine Kultur der Zurückhaltung bei Aussagen über erfolgsversprechende Handlungen im Fußball.
Gibt es noch mehr solcher Fußballlügen?
Aber sicher, die Liste ist sehr lang. Die These, dass das Flügelspiel erfolgreicher sei als das Spiel durch die Mitte, ist jedem Fußballfan in den zurückliegenden Jahren sicherlich mehr als 1000-mal zu Ohren gekommen. Von daher war auch ich überrascht, als ich nach der Analyse von mehreren Tausend Angriffen feststellen konnte, dass sowohl Vorstöße über die Außenpositionen als auch solche durch die Mitte in zwei Prozent aller Fälle ein Tor nach sich zogen.
Haben Sie schon mal versucht, den einen oder anderen Bundesligatrainer auf solche Fehlannahmen hinzuweisen?
Teilweise spürt man ein hohes Maß an Ablehnung. Die Trainer haben offensichtlich Angst davor, an Autorität zu verlieren. Da werden Dinge, die sie jahrelang gepredigt haben, von jemandem als falsch enttarnt. Das Grundproblem ist doch: Was will ein Trainer weitergeben, wenn so gut wie keine gesicherten Erkenntnisse zu erfolgreichem Verhalten im Fußball existieren?
Aber es kann doch nicht sein, dass Sie Tausende von Spielen analysiert haben, nur um uns sagen zu können, dass wir kaum etwas über Fußball wissen. Ein paar handfestere Erkenntnisse müssen Sie doch gewonnen haben.
Die wissenschaftliche Widerlegung unzähliger seit Jahrzehnten populärer „Fußballweisheiten“ sehe ich als wesentlichen Erkenntnisgewinn an. Außerdem haben meine Analysen – um ein Beispiel für den praktischen Nutzen der Ergebnisse zu geben – gezeigt, dass hoch ausgeführte Elfmeter erfolgreicher sind als flach geschossene. Ich habe diese Information auch einmal dem Trainer einer Bundesligamannschaft an die Hand gegeben. Am darauf folgenden Samstag hat dann seine Mannschaft einen Elfmeter zugesprochen bekommen – der vom Spieler flach ausgeführte Strafstoß ist dann vom gegnerischen Torhüter gehalten worden. Man weiß auch, welche Art von Eckstößen eher zu Toren führen. Das sind Kleinigkeiten, die aber Spiele entscheiden können.
Welche Rolle spielt der Zufall im Fußball?
Eine viel, viel größere als alle Experten wahrhaben wollen. Die letzten 215 Tore der Bundesligasaison 2006/07 waren zu 47 Prozent Zufallsprodukte – sprich sie resultierten aus Abprallern, abgefälschten Schüssen, schweren Abwehrfehlern, Bodenunebenheiten und so weiter. Es ist ja gerade die Unkalkulierbarkeit des Fußballs, die zu seiner Faszination beiträgt.
Sie fordern die Bildung einer Taktik-Task-Force. Wofür?
Hauptaufgabe dieser Taktik-Task-Force sollte es zunächst einmal sein, herauszufinden, was wir tatsächlich über Fußball und taktische Spielhandlungen, die zum Erfolg führen, wissen. Und dieses Gremium müsste festlegen, wie eine fortschreitende Grundlagenforschung auszusehen hat. In der Taktik-Task-Force sollten Trainingswissenschaftler, Sportmediziner, Sportpsychologen, Statistiker, aber auch Trainer, Manager und Spieler vertreten sein.
Können Sie uns als ausgewiesener Fußball-Fachmann denn verraten, wer deutscher Meister wird?
Nein. Da muss ich leider passen. Ich bin schließlich kein Hellseher.
Aber Sie können uns anhand Ihrer umfangreichen Analysen vielleicht erklären, warum der VfB Stuttgart am Ende der vergangenen Saison ganz oben stand?
Auch da vermag ich nicht weiterzuhelfen. Nur so viel kann ich sagen: die Statistiken zeigen, dass die Mannschaft, die mehr Fouls begeht, etwas häufiger gewinnt. Und jetzt raten Sie mal, wer in der vergangenen Spielzeit die meisten Fouls verübt hat?
Der VfB Stuttgart.
Richtig! Nur damit wir uns nicht falsch verstehen – aus pädagogischer Sicht ist das Foulspiel natürlich zu verurteilen.
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Dr. Roland Loy ist 45 Jahre alt, wohnt in München und arbeitet unter anderem als Fachberater für die ZDF-Sportredaktion. Der promovierte Sportwissenschaftler hat in den vergangenen 20 Jahren 3000 Fußballspiele analysiert und die Ergebnisse in dem zweibändigen Werk „Taktik und Analyse im Fußball“ zusammengefasst. „Fußballprofessor“ Dettmar Cramer fungierte als sein „Mentor“. Loy ist Inhaber der Trainer A-Lizenz des DFB und hat als persönlicher Berater mit Franz Beckenbauer bei der deutschen Nationalmannschaft, bei Olympique Marseille und beim FC Bayern München zusammen gearbeitet.
gefunden in: www.11freunde.de/ballkultur/105207 .
Gruß Andre
P.S. Sollten wir Trainer für den Fall, dass der Schreiber recht hat, nicht mehr den “Spielwitz” der Spieler fördern (durch freies Spielen, freies Spiel mit Aufgabenstellungen, Motivation, Lob), um auf dem Sektor effektiv zu sein, der nicht bestimmbar ist, aber Spiele entscheidet, statt zuviel Zeit in Dinge zu investieren, die nach dieser Betrachtung nicht so wichtig sind, wie man sonst allgemein meint? Ich bin da nachdenklich und Ihr?
Trainingstipps, hier “Ganzheitliches Training”
15.9.2008 von Andre.
Ich möchte auf ein Trainingstaschenbuch hinweisen, dass ich im letzten Jahr sehr interessant fand. Der Autor heißt Rolf Mayer ist A-Lizentrainer des DfB. Das Buch heißt: Spieltraining Fuball; 120 Programme für Angriff und Abwehr. Der Autor schreibt (Zitat)…..das Fußballspiel wird immer schneller und komplexer, so daß sich auch im Training die Methode durchsetzt, das Spiel nicht mehr in seine einzelnen Teilebereiche aufzusplitten, sondern KOMPLEX und GANZHEITLICH zu trainieren. Zur Umsetzung dieses moderenen Trainingsgedankens finden Übungsleiter, Sporltlehrer und Trainer 120 komplette Trainings für Technik, Taktik und Kondition für alle Altersklassen und Niveaustufen, wobei auch die Verbesserung von Kreativität und Spielphantasie als ein wichtiges Element darstellt. Buchthemen:
-Verbesserung der Spielübersicht und des Spielverständnisses, Herausspielen und Verwerten von TorchancenSpielverlagerungFlügelspielBallhaltenhaltenSpiel ohne BallKonterspielSpiele im verkürzten Raum (Torschussspiele), Dribbeln und Fintieren, offensives Zweikampfverhalten, Raumdeckungsverhalten, Pressing, Zweikampfschulung, Unterzahl-und Überzahlspiel, Kondition, Letzteres habe ich nicht trainiert (Taktik/Kondition ohne Ball), versichere aber, dass alle anderen Übungen viel mit Laufen und Bewegung mit Ball zu tun haben und da die Kondition (kein Trainingsziel im unteren Jugendbereich) bei weitem nicht zu kurz kam. Zudem sind fast alle Übungen in Wettkampfform zu gestalten bzw. vorgegeben. Ich habe dieses Training ein Jahr in der D 1 probeweise trainiert und komme zu dem Schluß, dass es den Spielern und mir viel Spass gemacht hat. Nachteile habe ich nicht erkannt. Hierzu muß ich jedoch anfügen, dass die Grundelemente wie Passen, Dribbeln, Zweikampf im 1:1, sowie die Ballkoordination vor Beginn des “Ganzheitlichen Trainings” im unteren Jugendbereich “sitzen” sollten. Lange Standzeiten sind hier tabu, Trainingszeit heißt schwitzen. Die Übungen kann ich für die C Jugend aufwärts empfehlen. Im unteren Jugendbereich bis zur D Jugend sind nicht alle Themen an die Ausbildungsziele gem. Dfb-Philosophie geknüpft. Hier war es ein MUß die Übungen entsprechend abzuändern.Bei allen Übungen wird fast alles gleichzeitig geübt (Dribbeln, Passen, Zweikampf, Spielübersicht, Verschiebung, Kreativität, Konter, Umschalten und und und). Über ein Feedback würde ich mich freuen, mit sportlichem Gruß Andre Für Interessierte hier die ISBN Nr.: 3499186748 (8,90 Euro) Auflage 6. aus März 1995